Eine Bilanz des IntegrationsCamps der Wirtschaft 2016

Die 140 Teilnehmer des IntegrationsCamps der Wirtschaft kamen aus Unternehmen (größte Gruppe), beruflichen Schulen, aus Jobcentern und Arbeitsagenturen, aus Behörden, Stiftungen und Bildungsträgern oder waren Privatpersonen, die sich an den unterschiedlichsten Initiativen beteiligen.

Was haben wir erreicht? Was haben wir gelernt?

Zunächst einmal: Ich konnte nur einige wenige Sessions besuchen. Dies ist also keine für alle gültige Bilanz, sie ist eher subjektiv.

Die häufigste Rückmeldung war: Ich konnte viele neue Kontakte knüpfen und habe interessante Leute kennengelernt. Genau das ist die Funktion eines BarCamps: neue Verbindungen herstellen. Das können persönliche Verbindungen sein, aber auch die Verbindung von Informationen und Ideen. Meist geht beides zusammen.

Nur wenige Teilnehmer hatten schon einmal an einem BarCamp teilgenommen. Aber die Methode wurde schnell und erfolgreich aufgegriffen. Rückmeldung eines Unternehmers: Das „Du“ hat die Art des Umgangs miteinander positiv beeinflusst. Während es einfach ist zu fragen: „Was genau meist du eigentlich damit?“ Ist die gleiche Frage „Was genau meinen Sie eigentlich damit“ fast schon eine Zumutung.

Die Dokumentation ist leider sehr lückenhaft. Das gelingt erst besser, wenn mehr „Teilgeber“ mit der Methode vertraut sind.

Der weit überwiegende Teil der Projekte, Start Ups und Initiativen stehen noch am Anfang. Laut Dr. Martin, Regionaldirektion Hessen, stehen zurzeit bei 80.000 Flüchtlingen in Hessen 4.300 unmittelbar dem Arbeitsmarkt zu Verfügung.

Die größte Session fand zum Projekt InCharge statt, das Coachingpaare zusammenstellt. Der Coach ist ein Mitarbeiter eines beteiligten Unternehmens, der Coachee ein Flüchtling. Die Paare entscheiden selbst, welchen Themen sie sich widmen wollen und was am hilfreichsten und wichtigsten ist. Der Vorteil des Projekts liegt in der einfachen Struktur. Unternehmen können sich beteiligen, ohne besondere Ressourcen vorzuhalten. Mitarbeiter nehmen freiwillig teil. Coaches berichten, dass sie das Kennenlernen als eine bereichernde Erfahrung erleben. Die Rollen von Coach und Coachee sind also nicht trennscharf.

Die Zeitarbeit setzt auf ihre bereits bewährten Analyseinstrumente zur Kompetenzfeststellung bei An- und Ungelernten. Die sind einfach, können aber die Einsatzfähigkeit für den Bedarf der Zeitarbeitsunternehmen gut erfassen und führen schnell zu Beschäftigung. Auch Hochstufungen sind leicht möglich. Die besonderen Beschäftigungsverbote (15 Monate) sind deshalb wenig sinnvoll und verhindern eher eine Integration. Aber da die Vorlaufzeit (Asylverfahren, Sprache lernen) in etwa diesen Zeitraum in Anspruch nehmen, wirken sie sich zurzeit kaum negativ aus.

Integration in duale Ausbildung wird zwar 2016 beginnen, aber in größeren Zahlen aus ähnlichen Gründen erst 2017 greifen. Das Konzept der dualen Berufsausbildung ist in den Herkunftsländern der Flüchtlinge unbekannt. Es ist daher viel Orientierungsarbeit erforderlich. Wichtig sind die InteA-Klassen an den beruflichen Schulen. Einzelne Unternehmen werden die ersten Flüchtlinge 2016 in Ausbildung übernehmen, die vorbereitenden Praktika laufen bereits oder beginnen in Kürze.

Wir sollten nicht nur über niederschwellige Integration nachdenken. Ein Projekt der KfW-Stiftung fördert Social Entrepreneurship (http://ankommer.eu/). Dazu wurden aus über 100 Gründungsideen 14 Start Up – Konzepte ausgewählt. Die Gründer werden zunächst geschult und dann mit dem erforderlichen Startkapital ausgestattet. Beispiel. Stitch by Stitch beschäftigt Frauen, die Kenntnisse im Nähen mitbringen (http://www.deutschlandfunk.de/naehwerkstatt-stitch-by-stitch-made-in-germany-inspiriert.1197.de.html?dram:article_id=341926), Code Door (http://codedoor.org/index.html) bildet Flüchtlinge zu Soft Ware – Entwicklern aus und vermittelt sie an Unternehmen.

Wie geht es weiter?

Die Diskussion auf dem IntegrationsCamp, aber auch in anderen Zusammenhängen hat gezeigt, dass Unternehmen sich zwar auf die besonderen Bedürfnisse von Flüchtlingen einstellen, aber im Wesentlichen ihre bewährten Instrumente für unterschiedliche Zielgruppen einsetzen. Das bedeutet zum Beispiel, dass Jugendliche über Betriebspraktika oder Einstiegsqualifizierung an die duale Berufsausbildung herangeführt werden. Hier gilt für Flüchtlinge nichts anderes als für Deutsche. Für andere Zielgruppen gibt es andere Maßnahmen. Die Anforderungen an Arbeitnehmer sind die gleichen und werden durch die konkreten Arbeitsaufgaben definiert. Wir kommen also von Initiativen für Flüchtlinge sehr schnell zu sehr differenzierten Integrationsmaßnahmen.

Da die meisten Themen mit „Lernen“ und der Integration in Beschäftigung zusammenhängen, möchten wir (die VhU) diesen Teil der Diskussion auf dem CorporateLearningCamp im Oktober 2016 https://openspacer.org/103-corporatelearningcamp-clc16/ weiterführen. Sie können sich bereits auf der Seite registrieren, die Anmeldung wird Ende März freigeschaltet.

Daneben werden wir spätestens auf dem CorporateLearningCamp im Oktober entscheiden, wann das nächste IntegrationsCamp der Wirtschaft sinnvoll ist. Das hängt im Wesentlichen davon ab, wie schnell die Integrationsmaßnahmen vorankommen. Das IntegrationsCamp dient dem Erfahrungsaustausch und der Entwicklung neuer Ideen. Jetzt müssen wir erst einmal die vorbereiteten Projekte auf den Weg bringen. Die nächste Runde ist möglicherweise bereits im Sommer 2016 sinnvoll.

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